Detailansicht

Im Kampf für eine "gute Sache" Teil 1
15. August 2007 09:52
Alter: 10 Jahre


VON: ANDREAS MEIER


Rubrik: Privat

Tue Gutes, tu' es hauptsächlich für dich, und schreib darüber: für einmal nicht der Streit um Huhn oder Ei sondern um Huhn und Salat.



Seit vielen Monaten bin ich Stammgast im Berner Altstadtlokal "Zunft zu Webern". Wer sich am Sonntagabend schweren Herzens vom Wochenende verabschieden, oder frohgemuts auf die kommende Woche einstimmen will, tut dies am besten mit einem Restaurantbesuch. Meine Empfehlung! Nur ist das in Bern leichter gesagt als getan: zwischen Insel und Bärengraben sind am Sonntagabend gerademal eine Handvoll Restaurants geöffnet. Unter wenigen anderen aber zum Glück die "Wäbere". Ein Hort für Liebhaber der gutbürgerlichen Küche. Wädli mit Dörrbohnen, Älplermagronen oder Mistkratzerli gehören hier zu meinen absoluten Leib- und Magengerichten. Vom Verzehr letztgenannten Stubenhuhns vergangenen Sonntag muss ich hier berichten.

Ganz selbstverständlich und ohne Blick auf die Speisekarte bestellte ich die mir bestens bekannte Köstlichkeit. Die kurze Wartezeit zwischen Bestellvorgang und dem Verzehr der Speisen, vertrieben wir uns wie immer mit dem genüsslichen beobachten der vorbeiziehenden Passanten. Ganz besonders köstlich und immer für gute Unterhaltung sorgend verhalten sich die asiatischen Gäste, die, immerhin schon 200m vom Zytgloggen-Turm entfernt, einen leicht hysterischen und desorientierten Eindruck vermittelnd, tapfer ihren Rollkoffer entweder in Richtung Hotel Metropole (die haben Pech, das liegt auf der anderen Seite des Turms) oder Richtung Bärengraben schieben. Oder jene Laubengänger, die sich auch gerne auf dem Mobiliar des geschlossenen Restaurants Krone bedienen lassen würden, weil die Weberen mal wieder drinnen wie draussen auf den letzten Platz ausverkauft ist. Aber ich schweife ab, denn inzwischen ist ein Stubenhuhn auf meinem Tisch gelandet.

Die köstliche Mahlzeit besteht aus einem kleinen Salat, meist gemischt, einer winzigen Portion Pommes-Frites und einem ebenso kleinen Poulet, im Ofen kross gebraten. Eine nach ernährungstechnischen Gesichtspunkten betrachtet vorbildliche und zudem schmackhafte und preiswerte Mahlzeit. Seit letztem Sonntag ist aber plötzlich alles anders! Das Huhn ist da, die Pommes-Frites sind da, aber der Salat fehlt. Das geht nicht, da kann etwas nicht stimmen! Der Salat steht bestimmt einsam und vergessen in der Küche. Ich wende mich hoffnungsvoll ans Servierpersonal.

"Nein, es ist jetzt kein Salat mehr dabei", lautet die lakonische Antwort auf mein freundliches Nachfragen. Mir fehlen aber nicht die Worte! Ich wettere und poltere über Gesundheit, Fett und Eiweiss, Kohlehydrate und versteckte Preiserhöhungen: alles vergeblich. Schlussendlich und konsequenterweise bestelle ich für Fr. 4.50 einen Menüsalat und schreibe nun den folgenden Brief an die Betreiber der Zunft zu Webern:

Sehr geehrte Damen und Herren

Vergangen Sonntag genoss ich in Ihrem Restaurant, wie schon unzählige Male zuvor, das beliebte "Mistkratzerli". Ein leichte und bekömmliche Mahlzeit bestehend aus rohem Gemüse (Salat), zu gleichen Teilen Kohlehydrate und Fett (ergibt Pommes-Frites) und 20% Eiweiss in Form eines Stubenhuhns. Eine ernährungstechnische Köstlichkeit und ein komplettes Mahl zum günstigen Preis von 20 Franken.

Und das soll nun auf einmal nicht mehr so sein! Warum, frage ich Sie?

Warum lassen Sie auf einmal den Salat weg? Dieses kleine Schälchen mit gesundem Grün verursacht doch kaum Kosten bildet aber einen idealen geschmacklichen wie gesunden Kontrapunkt zum ansonsten eher protein- und fettreichen Menü. Worüber bitteschön soll ich mir jetzt Ihren köstlichen Kräuterjus träufeln? Höchstens noch über meine Hose! Sehen Sie, ich bin verzweifelt...

Oder denken Sie vielleicht ganz anders? Die Kundschaft wird es schon nicht merken. Das Menü kostet ja gleichviel, wir lassen einfach etwas weg. Ha Ha! - Das kommt Ihre Kundschaft aber teuer zu stehen: die Weglass-Strategie entspricht defacto einer Preiserhöhung von mehr als 20 Prozent rechnet man zum Preis von 20 Franken noch einen Menüsalat für 4.50 dazu!

Ich kann und muss es noch einmal schmerzhaft betonen: das kann nicht gehen so! Ich möchte hier aber nicht einfach nur anprangern ohne auch einen konstruktiven Gegenvorschlag einzubringen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie Ihr Menü einem moderaten Preisaufschlag von sagen wie ein bis zwei Franken unterziehen. Ich bin überzeugt, dass die wahren Freunde und Anhänger des jugendlichen Federviehs die Preiserhöhung zugunsten der Vollständigkeit des Menüs gerne in Kauf nehmen.

So bitte ich Sie freundlich, Ihre Entscheidung zur Weglassung des (unbedingt nötigen) Salats noch einmal zu überdenken.

Mit freundlichen Grüssen,

Ihr Andreas Meier

Fortsetzung folgt...


Links:

www.restwebern.ch






<- Zurück zu: Archiv