Santa Curz - Die modernste und grösste Stadt Boliviens

Zitat: "Bolivien Reisekompass" © www.Sebra-Verlag.de, Hamburg;  © Hella Braune und Frank Semper

Santa Cruz ist die modernste Stadt Boliviens und eine der am schnellsten wachsenden von Lateinamerika. Mit ihrer weiteren Entwicklung wird sich der wirtschaftliche und kulturelle Schwerpunkt Boliviens ins Tiefland verlagern. Santa Cruz markiert den Schnittpunkt der drei wichtigsten Naturräume und Kulturareale. An dieser Stelle treffen Hochland, Amazonas und Chaco aufeinander.

Gegründet wurde die Stadt 1561 durch den spanischen Capitan Nuflo de Chaves. Die Ansiedlung wurde bis ins 17. Jahrhundert mehrfach verlegt, bis sie ihren jetzigen Platz fand. Von hier erfolgte die Missionierung der Chiquitano-Indianer durch die Jesuiten im 17. und 18. Jahrhundert. Bis weit in unser Jahrhundert zogen die Siedler mit ihren Ochsenwagen durch die schlammigen Wege des Ortes, um den weiten Osten zu besiedeln.

Mit dem Hochland wurde Santa Cruz erst 1954 durch eine Strasse verbunden. In den 50ern wurde eine Eisenbahnlinie nach Brasilien gebaut. Vom Ochsenkarren sind die Cruzenos in den PS-starken Jeep umgestiegen. Der Pioniercharakter ist noch nicht verflogen und schlägt sich heute in einem aktiven Geschäftsgeist nieder. Die Stadt ist wohlhabend und stellt ihren Reichtum zur Schau. In den Auslagen der vielen Geschäfte liegen moderne Elektronikartikel und Sportswear der bekannten Marken. Viehzucht und Sojafelder haben für den Aufschwung gesorgt. Mittlerweile ist das Erdgas hinzugekommen. Santa Cruz ist lebendig, doch nicht hektisch. Die Menschen sind offenherzig und optimistisch, tolerant und hilfsbereit. Um die Plaza im Zentrum stehen noch die einstöckigen Häuser mit den überhängenden Dächern und den Stützsäulen aus dem harten cuchi-Holz und den lauschigen Innenhöfen.

Trotz des stetigen Wachstums findet man kaum Hochhäuser, nur an der Avenida Uruguay steht ein Gebäude, das an einen Frankfurter Bankenturm erinnert - der Palacio de la Justicia. Das moderne Barrio Equipetrol entspricht einem amerikanisches Wohnviertel. Die Ausdehnung der Stadt erfolgt geordnet in die Breite. Die Verkehrsinseln der Ringstrassen sind mit Bronzefiguren bestückt, die Indianer, Unabhängigkeitskämpfer und Helden der Arbeit darstellen.

Santa Cruz möchte zum Knotenpunkt des Kontinentes werden. Es liegt auf halbem Wege zwischen Atlantik und Pazifik, der die Überseehäfen Santos in Brasilien und Arica in Chile verbinden könnte. In Kürze wird das Erdgas nach Sao Paulo strömen. Demnächst wird mit dem Bau der Strasse nach Puerto Suarez an der brasilianischen Grenze begonnen werden, mit deren Fertigstellung die Zugverbindung bedeutungslos werden würde.

In Santa Cruz kann es zu extremen Temperaturschwankungen kommen. Im Sommer (Dezember-Februar) klettert das Thermometer auf 35-40 °C. Im Winter (Juni-August) fegt manchmal der surazo, der antarktische Wind, durch die Strassen und die Temperaturen fallen auf 5 °C.

Samaipata

Samaipata heisst auf Quechua 'die Anhöhe, um zu verweilen'. Der idyllische Marktflecken lädt dazu ein, einige Tage zu bleiben. Das subandine Klima ist angenehm mild und trocken. Wenn die Regenwolken über dem gerade einmal 120 Kilometer entfernten Santa Cruz hängen, sind die Tage hier himmelblau. Dieser Vorzug hat die Cruzenas/os angezogen und auch einige Europäer, die aktiv das Dorfleben gestalten und sich um den Erhalt der archäologischen und natürlichen Schönheit der Region bemühen.

Die Hauptattraktion des Ortes ist die präinkaische Zeremonienstätte El Fuerte. Samaipata ist ein guter Ausgangspunkt zum Besuch des Amboro-Nationalparks und der Beginn der Ruta del Che, wenn man aus Santa Cruz kommt.

Die Guerrilleros kaperten am 6. Juli 1967 einen Lastwagen und überrumpelten den örtlichen Polizeiposten Vacaflor. Sie nahmen ihn als Geisel und drangen in die Kaserne ein. Sie bedienten sich am Waffen- und Munitionslager, erbeuteten fünf Mauser und erschossen einen Soldaten.

Beim Bäcker deckten sie sich mit Brot ein und zahlten, mangels Kleingeld, mit 100-Peso Scheinen, die seitdem »Pesos-Guerrilleros« heissen. Che beurteilte die Aktion in seinem Tagebuch als missglückt. Das für ihn so notwendige Asthmamittel war nicht aufzutreiben. Die Apotheke stand an der Plaza und existiert heute nicht mehr. Die drei neuen Apotheken haben sich heute auf Asthmatiker eingestellt, Nefoben® und andere Mittel sind vorrätig.

El Fuerte

Aus den moosgrünen ondulierten Bergen in der Umgebung von Samaipata ragt eine Felsenplattform heraus. Dieser Einzelfelsen ist 200 Meter lang und 60 Meter breit und in seiner Gesamtheit von Einkerbungen, Rillen, Becken und Nischen bedeckt. El Fuerte war ein gewaltiges prähispanisches Zeremonienzentrum zwischen den Bergen, dem Amazonasgebiet und dem Chaco.

Der Felsen unterteilt sich in zwei Sektoren. Von der Eingangsseite nähert man sich El Fuerte von oben und hat eine umfassende Frontalaufsicht. Man kann den Eindruck gewinnen, als erhebe sich der Felsen wie eine Rampe über das Grün der hügeligen Landschaft. Zwei parallel verlaufende Spuren auf einer Länge von 27 Metern haben bei Erich von Däniken die Annahme verstärkt, es müsse sich wohl um eine Abschussbasis für UFOs gehandelt haben.

Näher beim Betrachter liegen zwei kreisrunde Formen, die zwei feline Figuren mit einen Durchmesser von 2 m2 darstellen. In dieser Form hat es noch weitere Tierdarstellungen gegeben, eine zusammengerollte Schlange und ein Emu, die allerdings der Erosion zum Opfer gefallen sind. An der Seite der beiden Pumafiguren verläuft eine Drainage. Die Plattform ist von einer Reihe von Rinnen und Kanälen in Rombenform überzogen, durch die während der kultischen Handlungen, Wasser, Chicha und manchmal auch Blut geleitet wurde.

Seine Gesamtfläche erstreckte sich auf über 40 Hektar. Unterhalb des heiligen Felsens lag ein Wohnkomplex, von dem kaum noch Überreste auszumachen sind.

Auf dem höchsten Punkt des Felsens ist der Coro de los Sacerdotes, das Chorgestühl der Priester, sternförmig eingelassen. Im inneren Kreis befinden sich neun, im äusseren Kreis 18 Sitze. An den Seiten liegen einige (Wasser-)Becken. Die grössten haben ein Fassungsvermögen von 4 m3. Hier wurden rituelle Waschungen vorgenommen. Wahrscheinlich wurden auch hydrologische Messungen durchgeführt, die über die beste Zeit von Saat und Ernte Aufschluss geben konnten.

An der Südflanke sind Mauernischen verschiedener Grössen und Formen eingelassen worden, in denen Idole und möglicherweise Mumien standen. Viele Forscher haben sich für das rätselhafte El Fuerte interessiert, das an der Schnittstelle von drei grossen Naturräumen und Kulturarealen aufschlussreiche Einblicke in die prähispanische Historie bieten kann. D'Orbigny und Erland von Nor-denskiöld deuteten den Ort als Goldwaschplatz. Der deutsche Archäologe Leo Pucher hielt es für ein Inkafort.

Nach den jüngsten Forschungsergebnissen der Bonner Universität unter Leitung von Dr. Albert Meyer, die in den 90er Jahren Ausgrabungen durchgeführt hat, spricht viel dafür, dass die eigentlichen Schöpfer des Zeremonienplatzes Amazonasindianer gewesen sind. Das Gebiet um Samaipata war das traditionelle Land der Chane, die später von den Inka okkupiert wurden. Während der Inkazeit wurde El Fuerte mehrfach von den Chiriguano überrannt.

Unterhalb des Felsens führt ein Weg auf der Südseite zu einem spiralförmigen Schacht mit einer Tiefe von 12 Metern. Die Stelle heisst La Chincana. Man spekuliert darüber, ob es sich hierbei um einen Brunnen, eine Mine oder einen Fluchtweg gehandelt haben könnte.

Ein Tucan, in jedem Park der Stadt anzutreffen.

Der Rio Mamore