Tarija - Die Stadt des Weins und des guten Humors

Zitat: "Bolivien Reisekompass" © www.Sebra-Verlag.de, Hamburg;  © Hella Braune und Frank Semper

Tarija ist eine beschauliche Provinzstadt mit nordargentinischem Flair und spanischen Wurzeln. So ist es nicht verwunderlich, dass auch der Fluss nach dem berühmten Wasserlauf von Sevilla Rio Guadalquivir getauft wurde. Die Stadt wurde 1574 gegründet. Die Statue des Gründers Luis de Fuentes y Vargas steht auf dem Hauptplatz, in dessen Mitte ein Springbrunnen plätschert, umstanden von mächtigen Phönixpalmen. Trotz des kolonialen Gründungsdatums stammen die älteren Häuser zumeist aus der republikanischen Zeit, darunter die ausgefallene Casa Dorada.

Die Chapacas/os, wie sich die Bewohner von Tarija nennen, lieben die Geselligkeit und treffen sich in den gemütlichen kleinen Cafes und Strassenrestaurants in den Nachmittagsund Abendstunden.

Von Dezember bis Februar kommt es zu wolkenbruchartigen Gewittern. Der Rest des Jahres ist ausgesprochen niederschlagsarm. Durch die jahrhundertelange Rodung ist die Landschaft erodiert und die Stadt von einer kahlen Bergkette eingerahmt. Früher einmal war das Gebiet um Tarija die Getreidekammer Boliviens, heute ist der Wein das massgebliche Agrarprodukt.

Die Umgebung von Tarija

Die Umgebung von Tarija besteht aus Wein- und Wallfahrtsorten, Felszeichnungen und Fossilien. Kurios ist eine ehemals sowjetische Sternwarte in diesem Teil der Welt. Entlang der Wege liegen einige kleine Dörfer mit malerischen weissgetünchten Kapellen in einer Landschaft, die von ausgetrockneten Flussläufen durchzogen ist. Auf den kargen Böden wachsen lediglich Dornensträucher und Kakteen. Über die Hänge und die Schluchten ziehen Ziegenherden. Die erdfarbenen Häuschen aus Adobe mit lehmbeworfenen Dächern und dem Steinofen im Garten verlieren sich in der Landschaft.

Fossilien

Das Becken von Tarija mit einer Ausdehnung von 1200 km2 ist eine Fundgrube für versteinerte Säugetierknochen aus dem Quartär und Pleistozon. Das Alter der Knochen wird auf eine ¼ bis ½ Million Jahre datiert. Dieses Gebiet ist der wichtigste Fundort für Säugetierfossilien in Südamerika. Die badlands, das wild zerfurchte Gelände, sind durch die ungleichmässige Abnutzung unterschiedlicher Sedimente entstanden.

Die wichtigsten Fundstellen liegen bei Rancho Sud, 11 Kilometer ausserhalb der Stadt und südlich von Tolomosa, 20 Kilometer von Tarija. Mitte des 19. Jahrhunderts waren die hier gemachten Funde ein wichtiger Auslöser für die abenteuerlichsten Evolutionstheorien und die grossen Paläontologen jener Zeit, Owen 1840 und Weddel 1845, machten einen Abstecher in das nur mühsam von Argentinien zugängliche Tarija. Die Aufregung um die Funde hat sich längst gelegt. Der Hobbypaläontologe kann heute ungestört in den Schluchten der Umgebung, in der Nähe des Flughafens und entlang der Pipeline nach Fossilien Ausschau halten.

Weinbau

In den Tälern um Tarija wächst der bolivianische Wein. Die Region ist die höchste Weinlage der Welt. Den Wein brachten die Spanier zu Kolonialzeiten in die Region, er blieb jedoch lange ein Schattengewächs der Bauern. Lediglich die Franziskanermönche schenkten den Trauben grössere Aufmerksamkeit.

Erst vor 30 Jahren wurde mit dem Aufbau technologisch geführter Weingüter begonnen, wobei der deutsche Pionier Kohlberg die ersten Rebstöcke aus Argentinien einführte. Heute ist der Weinbau zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor von Tarija herangereift.

Das Geschäft wird mit den lieblichen Moskatelweinen gemacht. Mittlerweile werden in kleineren Mengen auch internationale Spitzenweine produziert und sogar exportiert, Pinot, Chardonnay, Chablis und Sauvignon Cabernet, wobei letzterer durchaus mit den spanischen Riojaweinen konkurrieren kann. Ausserdem wird Singani produziert, ein hochprozentiger Traubenschnaps.

Das Klima eignet sich ideal zum Weinbau, es gibt ausreichend Sonnenstunden und, bedingt durch den kalten Südwind, Nächte mit Minusgraden. Das grösste Problem ist der Wassermangel, der nun mit dem Stausee San Jacinto behoben werden soll.

Vier grosse Marken haben den Markt aufgeteilt, neben Kohlberg mit 75 Hektar Anbaufläche, die Casa Real mit 120 Hektar Fläche, Aranjuez und Rujero.

Die Weingüter und Keller von Kohlberg und der Casa Real liegen 17 Kilometer ausserhalb von Tarija nebeneinander in Santa Ana. Rujero liegt einige Kilometer weiter in Concepciön. Aranjuez hat keine eigenen Weinbauflächen.

Concepcion

Concepcion ist ein verträumtes Weindorf, 20 Kilometer von Tarija entfernt. Es heisst auch Uriondo, benannt nach einem Freiheitshelden oder einfach Valle. Die Kirche ist auf dem Etikett der Concepcion-Weine abgebildet. Eine zweite moderne Kirche steht wie ein Fremdkörper im Ort. Ihre Existenz ist auf ein Gelöbnis, einer einst schwer erkrankten wohlsituierten Bürgerin zurückzuführen. Sie versprach im Fall ihrer Genesung, eine Kirche zu errichten. Auch der Pater konnte sie mit dem Hinweis, dass ein Hospital oder eine Schule nützlicher seien als eine zweite Kirche, nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Das Kopfsteinpflaster der Strassen stammt nicht etwa aus kolonialer Zeit, sondern ist das Resultat einer Arbeitsbeschaffungsmassnahme der 80er Jahre, die nach den Massenentlassungen in den Minen des Hochlandes erfolgte.

Valle Concepcion, das grosse Weinanbaugebiet Tarijas

Concepcion ist bekannt für seine Weinfeste im Erntemonat Mai. Das Fest ist der Höhepunkt des Jahres. Für die Ernte wird Pachamama, der Mutter Erde, gedankt und ein Topf mit Trauben, Mais, Brot, Fleisch und Wein gefüllt und feierlich eingegraben. In den Tagen des Festes verwandelt sich Concepcion ein wenig in lsabel Allendes »Geisterhaus«.